Identität oder Anpassung
19. Mar 2010 von berlinblogger
Der Mensch entsteht im Bauch der Mutter. Sobald das Baby als Junge oder Mädchen auf die Welt kommt, entscheiden die Eltern über einen passenden Namen. Genau ab diesem Zeitpunkt ist das Kind kein freier Mensch mehr, ob weiblich oder männlich.

Schon bei der Auswahl von Babyschühchen, den Farben der Wände im Kinderzimmer und der Kleidung beginnen die Eltern ihre Kinder zu beeinflussen und sie versuchen sie schon einmal in eine gewisse Richtung zu schieben, genau nach ihren Wünschen. Genau so wie es ihre eigenen Eltern bei ihnen selber machten, allerdings mit kleineren Abweichungen. Die Kinder wachsen heran und beim ersten Geburtstag bekommen die kleinen Mädchen hübsche Püppchen und die kleinen Jungs natürlich Autos oder Fußbälle. Vielleicht sind die Kinder ja mit ihrer von ihren Eltern ausgesuchten Rolle zufrieden, aber vielleicht auch nicht. Genau dann beginnt das Problem des binären Systems, in dem wir leben, der Keim des Fehlers.
Eines der Hauptprobleme entsteht durch die kontinuierlichen Erwartungen seitens der Eltern und dessen Unmöglichkeit zur Erfüllung. Aber der Konflikt geht noch viel weiter, wenn die kleinsten gesellschaftlichen Erwartungen auch nicht erfüllt werden. Stellen Sie sich mal die Gesichter der Anderen vor, wenn Ihr kleiner Junge mit Puppen spielt und ihr Mädchen mit Autos, beispielsweise. Diese mutigen kleinen Kinder müssen sich zwanghaft mit dem GROSSEN System auseinandersetzen, was sehr hart und unvermeidbar sein wird. Jedoch wird es noch viel härter und schwieriger, wenn sie sich ihren geliebten Menschen stellen müssen und vor allem wenn sie eine andere Reaktion der eigenen Eltern erwartet hätten.
Es ist möglich, dass sie später homosexuell, transsexuell, bisexuell, heterosexuell usw. sind. Die Ambivalenz wird im binären System leider nicht anerkannt. Man ist entweder das Eine oder das Andere, und wenn nicht, dann passt deine Existenz einfach nicht in diese Parameter. Die sexuelle oder körperliche Ambivalenz ist in einem solch geschlossenen System, was scheinheilig vorgibt, offen und tolerant zu sein, Fehl am Platze. Konzepte wie „normal“ oder „natürlich“ werden ständig als Vorwand genutzt, um die Bedürfnisse der Meisten zu stillen. Eine Mikrowelle zu benutzen ist demnach so natürlich und normal wie eine Herztransplantation oder die Produktion von Waffen und deren Verkauf an dritte Weltländer. All diese Handlungen sind allerdings viel unnatürlicher und neuer als die Existenz der Homosexualität beispielsweise.
Die Binome wie männlicher Körper, weiblicher Körper, heterosexuelle Mentalität oder homosexuelle Orientierung sind ausschließlich Steine, die einem in den Weg gelegt werden, um die Gesellschaft aufzuteilen, wie Vieh, denen verschiedene Weiden zugeteilt werden. Zum Glück gibt es viele, die diese Hindernisse überwinden und sich den vielen Vorschriften und Normen widersetzen. Es scheint also so, als ob letztendlich der deutlichste Unterschied zwischen den Menschen die Anpassung an die Gesellschaft oder die Fähigkeit der Entwicklung einer eigenen Identität sei.
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