Der Javier Krahe Fall
25. Jun 2010 von berlinblogger
Eine geschäftige Hausfrau reißt ein Jesus Kreuz von der Wand, wäscht es, um es dann schließlich im Ofen mit Kartoffeln und Butter zu backen. Und nach Berichten des Erzählers, entflieht die Christusgestalt nach drei Tagen Backzeit selbst dem Ofen!
Dieser Kurzfilm, der nur 1 Minute lang ist und „Wie man einen Christus kocht“ betitelt ist, wurde Ende der 70er Jahre von Javier Krahe, einem Songschreiber, in einer Zeit voller Freiheit, Rebellion und Provokation nach der Franco-Ära dirigiert. Keiner konnte wissen, dass dieser Kurzfilm mehr als dreißig Jahre später ein Problem für Krahe werden würde!
Als der Sänger im Jahr 2004 von Canal+ interviewt wurde, und bei der Gelegenheit einige Ausschnitte aus des Kurzfilms gezeigt wurden, gab es unerwartete Reaktionen darauf. Einige streng katholische Zuschauer fühlten sich verletzt, insbesondere Mitglieder des Juristischen Zentrums Tomás Moro. Und so wurden Krahe und der Sender wegen „Verletzung religiöser Gefühle“ angezeigt. Dieses Delikt ist unter dem Artikel 525 des spanischen Strafgesetzbuches angeführt: einem Artikel der noch nie in Demokratiezeiten angewendet wurde, aber bis heute noch gültig ist. Fünf Jahre später, am 12. Mai 2010, hat ein Gericht in Madrid die Eröffnung des Falls gegen Krahe und Canal+ angeordnet, und ihnen eine Bürgschaft von der unglaublichen Summe von 192.000 Euro auferlegt.
Der Fall hat viel Aufsehen erregt und hat Themen wie künstlerische Freiheit und religiöse Tabus wieder auf den Tisch gebracht, in einem angeblich progressiven Land wie Spanien…
Das nächste Mal werde ich über Ausstellungen und Kunstwerke berichten, die der Blasphemie bezichtigt wurden, und verfolgt oder angezeigt wurden…Wenn ihr während dessen den dritten Teil des Krahe Falls nicht verpassen wollt, mietet Appartments in Madrid und nehmt an einem der vielen Demonstrationen Teil, die zu seiner Unterstützung organisiert wurden.






